Vor kurzem war meine Tochter in Berlin bei einer so miserablen Thai-Massage, dass die 45 Euro völlig in den Sand gesetzt waren. Aber 45 Euro sind nichts gegen all die teuren spirituellen Angebote, die im Internet, vor allem auf facebook, angeboten werden. Sie versprechen den Teilnehmern neben Energie und innerer Freiheit auch noch geschäftlichen Erfolg, der wie von selbst kommen soll. Ähnlich dem Schneeballsystem des mittlerweile in die Krise geratenen Tupperware, wobei die Zielgruppen durchweg Frauen sind.

Wer beispielsweise „die Göttin in sich befreien“ will, braucht ganze 9000 Euro. Dafür gibt es mehrere Online-Chats und Treffen über einige Monate hinweg. So verschieden die Themen sind, immer wieder trifft man auf die gleichen Vokabeln: „etwas vibriert in dir“ und „du wirst keine Grenzen mehr spüren“. Mangel soll durch Fülle ersetzt werden. Interessanterweise werden ausgerechnet diejenigen, die besonders dreist und teuer auftreten, ernst genommen. Ob Scharlatan oder nicht. Warum? Ist das typisch deutsch?

Genau das sagen mir auch immer wieder meine Bekannten, wenn wir über mein kostenloses McDenk-Angebot reden. „Was nichts kostet, ist nichts wert.“, meinen sie. Die Kartenlegerin Erika machte die Erfahrung, dass ihr Geschäft erst anzog, als sie aus ihrer Sicht Extrempreise verlangte, die sie mit ihrem Gewissen schon fast nicht mehr vereinbaren konnte. Was sagt uns das? Wollen wir beschissen werden? Selbst wenn auch teure Angebote ohne Gewähr sind? Wer reinfällt und noch viel dafür bezahlt, kann es nur als Erfahrung abhaken.

Wäre es da nicht sinnvoller, dem kostenlos Angebot eine Chance zu geben? Zumindest muss man sich im schlechtesten Fall dann nur über verlorene Zeit ärgern. Ich finde, ein spirituell bewegter Mensch darf durchaus seine Möglichkeiten nutzen, um anderen zu helfen. Was war ich persönlich froh, dass die buddhistischen Klöster kostenlose Meditationen anboten oder dass es kostenlose Selbsthilfegruppen gab. Das möchte ich nicht missen. Es waren Bausteine, mit denen ich vor weit über einem Jahrzehnt meine Depressionen und Sucht erfolgreich überwand. Und aus denen heraus diese wunderbaren Denkrezepte entstanden sind, die mich tagtäglich begleiten.