Im Rahmen seines neuen Projektes „Schule des Herzens – eine Forschungsreise“ hat der spirituelle Lehrer Roland Nyanabodhi, der vor circa zwei Jahren sein jahrzehntelanges Mönchsein aufgegeben hat und seitdem mit seiner Partnerin Tanja zusammenlebt, einen – wie ich finde – richtig interessanten Vortrag „Sexualität und Partnerschaft“ veröffentlicht.

Irgendwie merkt man Roland bei diesem Vortrag auch etwas Aufregung an, er ist nicht ganz so in seiner gewohnten Souveränität. Vielleicht weil die persönlichen Umbrüche der letzten Jahre auch für ihn viel Neuland brachten. Doch ich war echt geflasht von seiner Offenheit und seinem Mut. Was er sagt, ist zum Teil sehr persönlich und in der Gesamtheit authentisch, ehrlich, freigeistig, rebellisch und sehr menschlich. Er distanziert sich, wenn er von einer neuen Wertschätzung des Körpers spricht, auch klar von seiner Lehrerin Ayya Khema, die den Körper doch eher als Lastenträger für den Geist sah.

Für mich persönlich hätte es für diesen modernen Vortrag gut gepasst, das Umfeld ein bisschen zu entstauben. Ich bin ja der Minimalismus-Typ, und es hat mich bei meinem Retreat in der Metta Vihara schon immer tolerante Übung gekostet, wenn ich sah, mit welchem Übermaß an Blümchen hier, Blümchen da, noch ein Väschen hier, noch ein Figürchen, Bildchen oder Kerzchen da – und alles kunterbunt zur Kaffeestund – der Altar um den Buddha geschmückt wurde. Sicherlich geht es hier nicht um geschmackliche Befindlichkeiten und einiges hat ja seine Bewandtnis, dennoch finde ich, zum Rebellischen und Fortschrittlichen passt ganz gut ein peppigeres Umfeld.

Roland zeigt uns in diesem Vortrag sehr deutlich auf, wie komplex das Thema Sexualität & Partnerschaft ist. Es geht um so viele heilsame und unheilsame Gedanken und Verhaltensmuster: Ichbezogenheit, Begierde, Hingabe, Ehrlichkeit, Wegsehen, Todschweigen und Unter-den-Tisch-kehren, Vertrauen, körperverneinende Haltungen, Spürsamkeit, Furcht, Angst, Verblendung, Religion, Vertrauen, Machtspiele, Manipulation, Gewaltfreiheit, Liebe, Einfühlsamkeit, Großzügigkeit, Toleranz, Verletzlichkeit, Wahrhaftigkeit, Sich-Einlassen. Und doch ist es oftmals, selbst bei bestem Willen, ein ganz schmaler Grad zwischen heilsam und unheilsam, denn eh man sich versieht, schwenkt es um. Zudem steht fest: Auch beim Thema Sexualität & Partnerschaft ist es wie beim Meditieren, Sporttreiben oder Gesunden Essen: Es ist ein ewiges Dranbleiben. Sich zurücklehnen und denken, jetzt hab ich’s und so kann’s bleiben, gibt’s nicht.

Wenn man den Vortrag anhört, scheint es fast, als könnten wir in dem Bereich Sexualität & Partnerschaft all unsere heilsamen Tugenden trainieren, die uns dann darüberhinaus auch in all unseren anderen Lebensbereichen zugute kommen. Das ist richtig, gilt aber natürlich auch vice versa. Aber dieser ungewöhnliche Vortrag ist ein echtes Reinklicken und Anhören wert. Seht selbst und lasst euch überraschen. Hier das Video. Ich wünsche euch viele gute Impulse.