Bei all meinem Wissen in Sachen Kopf und Psyche, Denkrezepten und Meditation, bei all meinen jahrelangen persönlichen Weiterentwicklungen, stelle ich mir immer mal wieder die Frage: Sollte ich nicht doch noch irgendetwas tun? Bräuchte ich vielleicht einen Meister, der mir zu höheren Sprüngen verhilft, obwohl es doch so schön heißt: Alles, was wir brauchen, haben wir in uns selbst und um uns herum. Würde es mir eventuell doch gut tun, mehr in Gemeinschaften zu praktizieren und mich stärker in Ritualen zu üben anstatt es sachlich und recht unesoterisch anzugehen? Lasse ich der intuitiven „Buddha-Natur“ genügend Raum? Fragen über Fragen.

So kam es jedenfalls, dass ich bei meinen Recherchen auf die Website www.meditation-mkk.de stieß. Man glaubt es nicht, aber in Freigericht-Somborn (!) hat eine buddhistische Nonne, Schwester Trung Hung, ein kleines „Zentrum“ Lotus Dharma errichtet. Dort bietet sie Morgenpraktiken und an zwei Tagen der Woche Abendpraktiken an. Zweimal war ich bisher abends dort und habe Meditationen von ca. 30 Minuten mitgemacht, entweder schweigend oder durch vier bis fünf Ansagen geführt, also schon etwas für den Geübteren. Welche Technik du beim Meditieren benutzt,  bleibt dir selbst überlassen. Schwester Trung Hung hat gelernt, sich aufs Hören zu konzentrieren, was mir bis dato unbekannt war. Der schöne Raum mit dem Altar, den Essensspenden, Teelichtern und Räucherstäbchen strahlt durchaus eine angenehme Atmosphäre aus, die sich positiv auf die innere Einstellung auswirkt. Wobei die Zeremonie immer mit Ritualen beginnt. Dabei verneigen wir uns (oder besser: wir werfen uns nieder) vor diversen Buddhas, beispielsweise Buddha Shakaymuni oder Manjushri, von denen ich persönlich noch nicht gehört habe. Begleitend dazu werden im Singsang entsprechende Texte aufgesagt, die selbst auf deutsch befremdlich sind und vom Blatt mitgelesen werden können. Das Rezitieren erinnert mich ein bisschen an das Vorsichhinmurmeln von Rosenkranzgebeten. Je länger jemand die Texte kennt, umso mehr nuschelt er sie – zumindest gefühlt – runter. Da es viele unterschiedliche buddhistische Traditionen gibt, die alle ihre Besonderheiten haben, ist es für den Außenstehenden nicht einfach, einzusteigen und sich einzuleben. Das kenne ich aus meinen Erfahrungen in buddhistischen Klöstern. In Freigericht geht es um Zen, um Prajna Paramita, das Pajna Paramita-Mantra und Shariputra. Außerdem kann zur Abendzeremonie auch das Lesen und Reflektieren einer buddhistischen Geschichte gehören. Das ist mir wiederum etwas Vertrautes, denn bei den Geschichten geht es meist um Probleme oder Fehler, aus denen Erkenntnisse erwachsen, die wir dann in unserem Leben umsetzen können. Solche Erkenntnisse habe ich in Denkrezepten umgesetzt.

Mit dem kleinen Zentrum Lotus Dharma und Schwester Trung Hung habe ich einen schönen Ort kennengelernt, an den ich immer wieder gern zurückkehren werde.  Parallel hat es mir klar gemacht, dass ich bei meiner Konzentration auf die Grundübung, auf das zwanglose und recht nüchterne Trainieren von Kopf und Psyche in Form von Meditationen oder Denkrezepten, für meine Person richtig liege. Eine Form, die quasi ohne Verstehensprobleme und Hintergrundwissen von jedem Anfänger mitgeübt  werden kann. Von daher habe ich meinen Eingangs-Fragenkatalog beiseite gelegt und mir beruhigt gesagt: Alles ist gut. Ich muss nicht noch irgendetwas draufpacken. Was nicht heißt, dass ich vorhabe, im Stillstand zu verharren. Definitiv nicht.

Einen Impuls habe ich noch mitgenommen: Nämlich die Idee, ob  es nicht auch für McDenk eine schöne Idee wäre, einmal wöchentlich in Bad Soden-Salmünster einen offenen, kostenlosen Trainingsabend anzubieten. Zu dem jeder, der Zeit, Interesse und Lust hat, kommen kann. Ob Einheimischer, aus der Umgebung oder Kurgast. Oder ist es vielleicht doch noch ein anderer Ort als Bad Soden-Salmünster? Jedenfalls gehe ich mit dieser Idee schwanger. Falls jemand von euch Interesse hat, kann er mir gerne eine Mail schicken. Somit sammle ich schon mal potentielle Interessenten.