Im Vonderau Museum in Fulda läuft noch bis zum 22. November 2020 die Ausstellung „Noch mal leben.“ Großformatige Schwarz-Weiß-Fotografien zeigen alte wie junge Menschen in jeweils zwei Bildern: einmal kurz vor und dann ganz unmittelbar nach ihrem Tod. Die Ausstellung ist entstanden durch die Zusammenarbeit des renommierten Fotografen Walter Schels und der Journalistin Beate Lakotta, die zu jedem großformatigen Bilderpaar die Lebens- und Sterbegeschichte geschrieben hat. Dabei lässt Lakotta die Sterbenden selbst zu Wort kommen und sie von ihren Erfahrungen, Ängsten und Hoffnungen berichten.

Ich habe die Ausstellung am 30.9.2020 besucht und war sehr beeindruckt und berührt. Besonders fielen mir die Bilder auf, die kurz nach dem Tod entstanden sind. Alle zeigen sie friedliche Gesichter. Das gibt Hoffnung. Die close-up Fotografien schaffen eine direkte Verbindung zu den uns unbekannten Menschen, und gemeinsam mit der Geschichte kann man dann die jeweilige Situation sehr gut nachvollziehen. So Vieles konnte ich so gut verstehen. Weil ich mich schon lange im Rahmen der Lebensschule und -philosophie mit dem Thema beschäftige. Das Sterben und der Tod sind bei uns weitgehend tabuisiert. Und Betroffene leiden manchmal darunter, dass sie weder mit Angehörigen noch Bekannten über den nahestehenden Tod sprechen können. Die Außenstehenden weichen in ihrer Angst und Unsicherheit lieber auf den alltäglichen Smalltalk aus.

Zwar ist jede Geschichte anders und aus jeder können wir auch für uns selbst unterschiedliche Erkenntnisse ziehen, doch im Großen und Ganzen lässt sich erkennen: Je zufriedener und glücklicher ein Mensch gelebt hat, je erfüllter er sein Leben gestaltet hat und je mehr „Lebensweisheit“ er entwickelt hat, umso gelassener und durchaus ab einem gewissen Punkt auch zufrieden, mit sich im Reinen, geht er in den Tod.

Wenn also die buddhistische Philosophie lehrt, dass wir uns zu Lebenzeiten mit dem stetigen Wandel, der Vergänglichkeit und dem Tod auseinandersetzen sollen, dann gibt diese Ausstellung ihr Recht. Und sie zeigt auch die Bedeutung der Hospize, deren wunderbare Arbeit gar nicht genug wertgeschätzt und gefördert werden kann. Ich kann den Besuch dieser Ausstellung nur empfehlen. Bis zum 22. November gibt es übrigens jeden Mittwoch von 15-16 Uhr einen Impulsvortrag mit anschließender Diskussion.

Alle Infos unter http://hospiz-foerderverein-fulda.de/