Das Weihnachtsfest ist zwar das Fest der Liebe, aber der Schuss kann auch gewaltig nach hinten losgehen. In meinem Buch DenkRezepte schreibe ich dazu:

 „In unserer hausgemachten Wirklichkeit neigen wir gern zur unwahren ungesunden Verklärung. Das Weihnachtsfest ist ein gutes Beispiel. Da denken manche, alle anderen hätten so einen genialen Abend wie in der Werbung. Alle anderen (nur ich nicht!) sitzen harmonisch bei Kerzenschein und edlem Essen in bester Stimmung vor zauberhaften Geschenkebergen, während draußen der Schnee rieselt und sogar der Hund selig lächelt. Kein Wunder, dass bei solch verklärten, unwahren Wirklichkeiten an diesem Abend in den Ambulanzen der Psychiatrien Hochbetrieb herrscht.“

In einem Spiegel-Interview befragt die Journalistin Anke Dürr die Soziologin Eva Illouz, wie der Mythos Weihnachten den Mythos der Liebe bedrohe. Nachstehend ein kleiner Auszug:

„Illouz: Viele Jahrhunderte lang war Weihnachten kein so wichtiger Feiertag, es hat gedauert, bis daraus wurde, was es heute ist. Geschenke gab es allenfalls bei den Reichen. Interessant ist, dass Weihnachten in dem Moment zum Fest der Liebe, der Dankbarkeit und der Familie wird, als es kommerzialisiert wird. Das passt sehr gut zu meiner These, dass sich der Konsumkapitalismus in jeden Winkel unserer privaten Beziehungen und Gefühle einschreibt. Um unseren Konsum zu begründen, werden ständig die Bilder von der perfekten Familie und der perfekten Intimität heraufbeschworen, die natürlich Fiktion sind. An Weihnachten genauso wie am Muttertag, am Vatertag oder am Valentinstag. All diese Feiertage sind zugleich vom Konsum und vom Gefühl bestimmt.

Weihnachten und die Liebe sind beides sehr starke Mythen. Es geht ums Zusammensein, um Harmonie, Glück. Und wenn das nicht eintritt, haben wir das Gefühl, versagt zu haben. Der Aufwand und die Ausgaben sind enorm an Weihnachten, entsprechend hoch sind die Erwartungen. Aber es ist schwierig, das Familienleben genauso perfekt aussehen zu lassen wie den Weihnachtsbaum.

Dürr: Können Sie erklären, warum ausgerechnet nach Weihnachten, dem Fest der Liebe, regelmäßig die Scheidungszahlen nach oben gehen?

Illouz: Dafür gibt es sicher viele Gründe. Zum einen warten die Menschen schlicht auf die Zeit nach Weihnachten, auch wenn sie sich schon vorher zur Scheidung entschlossen haben. Sie wollen noch ein letztes Familienfest feiern und wollen die Familie nicht schocken. Aber der wichtigste Grund ist, dass unsere Vorstellung von Weihnachten genau wie die von der Liebe sehr stark auf Mythen und Fiktion beruht. Und wenn wir dann tatsächlich zusammensitzen, merken wir, dass Weihnachten gar nicht so magisch ist, und die Familie verliert auch ihren Zauber. Die ganze schöne Weihnachtsdekoration macht die Herzen nicht schöner. Zur Familie zählen an Weihnachten ja oft auch die Schwiegereltern, der Schwager oder die Schwägerin. Die Familie des Partners ist häufig eine große Belastung, das führt zu Spannungen in der Paarbeziehung.“

Wie ihr seht, decken sich die Antworten mit meinem Ansatz. Von daher mein Tipp: Achtet gerade an Weihnachten auf eure Gedanken. Und nehmt euch die Zeit, das ein oder andere BASIC-Denkrezept zu trainieren.

Bleibt gesund und glücklich, auch in 2020
eure Beate