Zu den Grundlagentechniken des gesunden Denkens zählt achtsames Gedanken- und Gefühlebeobachten. Die wichtigste Frage ist dabei immer wieder: Was denke/fühle ich gerade? Gefolgt von der Frage: Ist das gesund oder ungesund? Diese Erkenntnis bildet dann die Voraussetzung, langsam aber sicher Ungesundes durch Gesundes zu ersetzen.

Auch Ayya Khema (1923-1997) hat sich in einem ihrer vielen, auf Youtube noch zur Verfügung stehenden Lehrvorträge mit diesem Thema beschäftigt. So sagt sie sinngemäß:
Wer nicht achtsam ist, merkt nicht.
Je weniger der Geist trainiert ist, desto weniger merken wir.
Je mehr der Geist trainiert ist, desto schärfer wird unsere Achtsamkeit, desto mehr merken wir. Nur so können wir unseren eingefahrenen Denk- und Gefühlsgewohnheiten auf die Schliche kommen und die ungesunden ändern.
Achtsamkeit ist der Weg zur Läuterung.
Läuterung bedeutet Großreinemachen: Vieles von dem, was wir denken, sagen und tun, erstmal merken und erkennen. Dann alles Unheilsame/Ungesunde los- und fallenlassen. Altes Gerümpel fallenlassen, egal, woher es rührt.  Wichtig dabei: KEINE AUSREDEN, KEINE RECHTFERTIGUNGEN, NICHT DIE SCHULD BEI ANDEREN SUCHEN.
Das ist inhaltlich der spirituelle Weg.
Dabei gilt die Kunst des Möglichen: Wir tun das, was wir gerade können, genau in dem Rahmen, wo wir gerade stehen, geben unser Bestes zum jetzigen Zeitpunkt.

Je mehr wir Unheilsames/Ungesundes durch Heilsames/Gesundes ersetzen, umso glücklicher und gelassener sind wir.

Etikettieren von Gedanken und Gefühlen
Um uns selbst besser kennenzulernen und hinter unsere heilsamen wie unheilsamen Muster zu kommen, hilft es uns, unsere Gedanken und Gefühle nicht nur achtsam zu beobachten, sondern zu etikettieren. Dabei versuchen wir, unsere Gedanken und Gefühle zu benennen und uns gegenüber ehrlich zu sein. GANZ EHRLICH zu sein – das ist gar nicht so einfach. Denn wir haben, was uns selbst angeht, Scheuklappen auf, die Selbsterkenntnis erschweren. Selbst wenn wir was erkennen, wollen wir es manchmal gar nicht wahrhaben und haben prompt Rechtfertigungen und Ausreden parat. „Stimmt ja gar nicht, so bin ich doch gar nicht … Ist ja auch kein Wunder, dass ich so denke und fühle, nach allem, was ich erlebt habe/was mir angetan wurde …“

Von daher muss Selbsterkenntnis geübt werden. Wichtig ist, alles anzunehmen, was wir denken und fühlen und nicht gleich schon wieder auf die Schiene der Selbstverurteilung zu geraten („Oh Gott, das will/darf ich ja gar nicht denken …“).  Das Motto lautet: erkennen – nicht tadeln – ändern. Ändern bedeutet, nach dem Erkennen das Ungesunde fallenzulassen, indem wir aus dem ungesunden Gedanken oder Gefühl rausgehen. Rausgehen = ersetzen:
– Ersetzen durch die Konzentration auf den Atem.
– Ersetzen durch einen heilsamen Gedanken oder ein heilsames Gefühl.
So gelingt es uns mit der Zeit immer besser, nicht mehr im Unheilsamen steckenzubleiben.

Das entspricht übrigens den „Vier Rechten Anstrengungen“, die der Buddha lehrte:
1. Unaufgestiegene unheilsame Dinge (Gedanken/Gefühle) vermeiden.
2. Aufgestiegene unheilsame Dinge aufgeben/auflösen.
3. Unaufgestiegene heilsame Dinge ins Leben rufen.
4. Aufgestiegene heilsame Dinge festigen.

Wie funktioniert es konkret?

  1. Beispiel für den Umgang mit einem unheilsamen Gefühl:
    Aha, ein Rachegefühl. (merken und im Geiste das Etikett „Rache“ draufkleben)
    Rache ist ungesund. (erkennen)
    Die Rache ist da. Sie darf in mir sein. Ich nehme sie an, ich halte sie aus (annehmen, nicht tadeln)
    Ich atme tief über die Nase ein, und tief über die Nase oder den Mund wieder aus. (rausgehen und Rache durch Atem ersetzen)
    Ich bin erfüllt von Liebe und Vergebung (rausgehen und Rache durch Gesundes ersetzen)

    Dass wir uns mit der Aufarbeitung des „Rachethemas“ in einer ruhigen Kontemplation näher beschäftigen, ist uns natürlich unbenommen. In meinem Buch biete ich dazu die entsprechenden Gedankenanalysefragen an.

  2. Beispiel für den Umgang mit einem heilsamen Gedanken:
    Aha, ich bin flexibel, veränderungsbereit. (merken und im Geiste das Etikett „veränderungsbereit“ draufkleben)
    Veränderungsbereitschaft ist gesund. (erkennen)
    Es ist gut und fördert mein Glück, dass ich veränderungsbereit bin. Denn alles ist in stetigem Wandel.
    Ich bin und bleibe flexibel/Ich lebe Veränderungsbereitschaft. (festigen)

Je mehr wir diese Vorgänge trainieren, umso automatischer laufen sie dann in uns ab. Und jeder ungesunde Gedanke und jedes ungesunde Gefühl weniger trägt zu unserem Glück bei. Denn alle ungesunden Gedanken und Gefühle, selbst wenn sie uns tausendmal gerechtfertigt scheinen, schaden in erster Linie uns selbst. 😊