Mit der Idee, Entschlacken, Entgiften, innere Einkehr zu halten und dabei noch ein bisschen abzunehmen, haben wir uns vor kurzem zu einer Fastenwoche an der Mosel aufgemacht. Ich voller Freude aufgrund meiner positiven Erfahrungen, die ich bei meinem ersten Wanderfastenurlaub auf Sylt vor vier Jahren gesammelt habe. Mein Mann eher mit gemischten Gefühlen, aber entschlossen. Frauen sind in der Regel in der Überzahl, aber in dieser Woche waren auch fünf Männer angetreten. Zwei davon mit dem Ziel, 25 Kilo mit Unterstützung von drei Fastenwochen abzuspecken – eine Woche vor Weihnachten und zwei im Januar. Ohne Frage ist Fasten ein prima Einstieg ins Abnehmen. Und da nach dem „Glaubern“ am Anreisetag der Hunger gut beherrschbar ist, gelingt Fasten aus meiner Sicht einfacher als FDH. Wobei die drei jungen Damen an unserem Tisch durchaus mit Pizza- und Käsekuchen-Tagträumen zu kämpfen hatten. Wir eher nicht, was ich unserer guten Vorbereitung zuschreibe. Wir hatten die drei Entlastungstage im Vorfeld eingehalten und uns mit den DenkRezepten LOSLASSEN und ABNEHMEN mental sehr gut eingestimmt.  Mit der Entlastung geht ja bereits der Verzicht auf Kaffee, Zucker, schwarzer/grüner Tee, Weißmehl, Tabak, Alkohol, Fleisch, Frittiertes etc. einher. Die Umstellung und das fehlende Koffein brachten uns einen Kopfwehtag ein. Da merkt man schon zum ersten Mal, wo man steht.

Weil es beim Fasten auch um Rückbesinnen auf einen selbst geht, wird gern empfohlen, das Fasten allein durchzuführen. Jetzt waren wir aber halt mal zu zweit, und auch das hat wirklich gut geklappt. Es hat uns sogar bereichert, weil wir die Impulse ausgetauscht haben und sie gemeinsam zukünftig umsetzen können. Wobei unser Zimmer so groß angelegt war, dass jeder Raum für sich hatte, wenn er das brauchte.

Feste Bestandteile des Fastens sind ein Glas heißes Wasser oder Kräutertee auf nüchternen Magen zum Frühstück, das uns am Bett serviert wurde, dann Essen in Form von Saft/Smoothie + Suppe jeweils mittags und abends, und nach dem Mittagessen Mittagsruhe mit einem Leberwickel. Ergänzend konnte man den Prozess unterstützen durch Sauna, Wandern in den Weinbergen, Morgengymnastik, Entspannungsübungen oder ein Basenbad. Und nicht zu vergessen das wichtigste Element beim Fasten: die Darmreinigung. Das Schamthema der Deutschen – wie die Therapeutin meinte. Dass das Buch „Darm mit Charme“ zum Bestseller mutierte, spräche für sich und zeige, wieviel Nachholbedarf wir da hätten. Neben dem Glaubersalz, das den Magen entleert und den Darm von oben spült, muss er auch von unten regelmäßig alle zwei Tage gespült werden, weil sich beim Fasten Stoffe absetzen, die raus müssen. Jetzt gibt es die Darmspülung mittels eines technisch hochgerüsteten Irrigators, die jeder in seinem Badezimmer selbst durchführt. Ist okay, aber verlangt dem Anwender schon Geschicklichkeit, Akrobatik und Durchhaltevermögen ab. Und nicht etepetete sein. Bei der Luxus-Darmreinigung (Colon-Hydro-Therapie)  dagegen liegt man entspannt und schön zugedeckt auf einer Liege, während die Therapeutin die Darmspülung mithilfe eines entsprechenden Gerätes durchführt. Kostet 80 Euro pro Einheit, von denen man in der Fastenkur drei braucht. Das überlegt man sich dann schon.

Fasten ist jedes Mal anders. Beim ersten Mal hatte ich gar keine „Nebenwirkungen“, was dieses Mal mein Mann so erlebte und ihn regelrecht euphorisch werden ließ. Ich dagegen hatte ab der Hüfte abwärts und im Hals-Nacken-Bereich mit Gliederschmerzen zu kämpfen. Was sehr häufig vorkommt und neben Schwindel, Unkonzentriertheit, Vergesslichkeit, verminderte Leistungsfähigkeit und Sehkraft sowie Kopfschmerzen zu den Standards gehört. Alles Zeichen des Körpers, dass irgendwo etwas nicht stimmt. Am letzten Abend beim Bezahlen an der Rezeption stand ich beim PIN eingeben völlig hilflos da und die Empfangsdame lachte. „Das passiert hier ständig, das macht das Fasten, dass die Leute ihren PIN vergessen. Gehen Sie mal ne Runde ums Haus, dann fällt es Ihnen wieder ein.“

Jeden Morgen gab es in einem halbstündigen Vortrag Fasten- und Ernährungsinfos. Dabei haben wir über unseren Körper und die Ernährung richtig viel erfahren und verstaubtes Wissen nochmal aktiviert. Normalerweise gilt ja: Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß. Also stopfen wir das ganze Ungesunde in uns hinein und damit ist es erstmal weg.  Wir sehen es nicht mehr und machen uns weiter keine Gedanken oder hoffen zumindest auf das Beste. Doch der Körper hat mit dem ganzen Ungesunden seine Last und lässt sich alles Mögliche einfallen, den Kram zu entsorgen, irgendwo intern auf Müllhalden zu deponieren oder sonstwie umzuwandeln, was sich in dem ein oder anderen Krankheitsbild widerspiegelt. Da tut so eine Fastenkur Wunder, denn es schärft unsere Sinne für eine gesunde und ausgewogene Ernährung. Wir  beschäftigen uns jetzt mehr mit dem Säure-Basen-Haushalt, kaufen mehr Vollkorn- und Vollfett- anstelle von Halbfettprodukten. Schweinefleisch ist erstmal verbannt, dafür sind Direktsäfte in und der Kochkurs mit dem Chefkoch hat sein Übriges dazu getan, dass wir uns jetzt auch für Buletten aus Grünkernschrot und Maronensuppe begeistern. Mittlerweile haben wir  ein ganzes Körnerregal in der Küche stehen, von Kürbiskernen, Sesam, Amaranth bis hin zu Chia- und Leinsamen. Körner sind genial und passen zum Salat, zu Suppen oder morgens in den Obstsalat. Von daher hat die Fastenwoche uns wirklich viele Anregungen beschert und uns auf neue Wege gesetzt. Ohne dass wir jetzt Gesundheitsapostel werden wollen.

Wichtig ist auch, den Faktor Stress nicht außer Acht zu lassen, wenn es um unsere Gesundheit geht. Schließlich trägt er zur Übersäuerung des Körpers bei. Zur Ruhe kommen, in sich selbst Reinhorchen, vielleicht eine Standortbestimmung machen und an der eigenen Zufriedenheit und Ausgeglichenheit arbeiten – all das gehört ebenfalls zum Fasten. Hier ist eindeutig im Vorteil, wer in Meditation und Entspannungstechniken geübt ist. Das hat uns auch durchaus von unseren Kurkollegen unterschieden. Ich selbst habe während des Fastens meine Meditationen häufig auf eine halbe Stunde ausgedehnt, viel mit NO-MIND gearbeitet, um Ruhe zu schaffen, was Voraussetzung dafür ist, in sich selbst etwas zu spüren oder zu hören. Für längere Meditationen habe ich mittlerweile eine Kombitechnik entwickelt, die neben Leere verschiedene Atemübungen und diverse Denkformeln aus meinen Denkrezepten enthält. So fülle ich mich mit Dankbarkeit oder Liebe, stärke mein Vertrauen und mein ICH, bekräftige meinen Fasten-Durchhaltewillen und übe mich in Achtsamkeit für das Nichttun, also einfach nur dasitzen und sein. Das ist für mich, die gern ständig am Tun und Machen ist, immer wieder eine Herausforderung.  Abgerundet habe ich meine Meditationssitzungen durch Inneren Frieden  – in jeder Lebenslage und auch bei max. 300 Kalorien täglich. 😉

Bilanz ziehend haben mein Mann und ich festgestellt, dass uns dieser Urlaub mehr Ruhe und Erholung gebracht hat als mancher andere. Von Vorteil ist, wenn die Anfahrt so kurz und stressfrei wie möglich ist, was bei uns mit der Entfernung zur Mosel der Fall ist. Unter diesem Aspekt macht aus meiner Sicht ein Fastenurlaub oder Fastenwandern auf Mallorca u. ä. weniger Sinn. Zum Erfolg dieser Woche hat natürlich auch unser genialer Jiaogulan-Tee beigetragen, und wie der Zufall es wollte, entdeckte ich auf dem Weihnachtsmarkt von Bernkastel-Kues noch einen Buddha-Stand mit Räucherstäbchen, die ich schon seit langem suchte, aber nirgendwo in Kleinmengen kaufen konnte, samt einer schönen Räucherstäbchen-Holzbox. Von da an hat es in unserer Suite ordentlich gequalmt und als wir zum Abendessen kamen, meinten unsere Tischnachbarn: „Wow, was bringt ihr denn da für eine Duftwolke mit? Habt ihr wieder Räucherstäbchen gezündet?“

Alles in allem ein gelungener Körper- und Geist-Retreat, und nach einer Woche haben wir uns gutgelaunt auf den Rückweg gemacht. Stolz, dass wir das Loslassen geschafft und dabei auch noch zwei Kilochen verloren haben.