Kürzlich hatte ich sie wieder: die Zweiflerdiskussion. „Wenn es auf der Arbeit zu Stress kommt, wenn du Unmögliches innerhalb weniger Stunden möglich machen sollst, wenn du von Kollegen oder Vorgesetzten attackiert wirst … – dann bleibst du nicht ruhig und alle Meditation und Denkrezepte nutzen dir gar nichts mehr.“ Was ich natürlich so nicht stehen lassen konnte, so nicht stehen lassen wollte.

Richtig ist, dass wir vor Stress und Leid nicht gefeit sind. Beruflich nicht, aber privat auch nicht. Und kein normaler Mensch bleibt in Extremsituationen ruhig wie ein Buddha. Ich auch nicht. Mit meiner Quirligkeit schon mal gar nicht. Hoher Adrenalinspiegel, Ärger im Bauch, schlechter Schlaf – das übliche Programm. Und dennoch macht es genau in dieser Situationen einen wichtigen Unterschied, ob du mental trainiert bist oder nicht.

Wie „furchtbar“ eine Extremsituation wirklich ist, hängt durchaus von deinem individuellen Empfinden ab. Wenn du gesundes Denken trainiert hast, wirst du wesentlich weniger als schlimm, schrecklich oder unangenehm empfinden, als ein untrainierter Mensch. Deine Schmerzgrenze ist automatisch höher, du hältst mehr aus – ein absoluter Pluspunkt.

Außerdem hast du ein kleines Notfallprogramm parat. Zumindest hilfst du dir in der akuten Situation mit ein paar Atemübungen oder einem kurzen Denkrezept. Du forderst eine kurze Nachdenkpause ein – selbst wenn es auf der Toilette ist. Was heißt: Du hyperventilierst weniger als der Untertrainierte. Es beschäftigt und belastet dich massiv, aber du bringst den Tag hinter dich.

Feststeht: Auch als Gesunddenker brauchst du Zeit, um mit negativen Situationen umzugehen, sie zu verstehen, darüber nachzudenken und nach Lösungen Ausschau zu halten. Doch weil du mental gut aufgestellt bist, hast du entscheidende Vorteile: Du kennst die wichtigsten Denkregeln.

Du merkst, wenn du dich in negative Denkspiralen hineinsteigerst und dadurch alles noch viel schlimmer machst, als es ist, mit Gedanken wie: „Ich bin am Boden zerstört, völlig fertig, fix und alle, mit den Nerven am Ende, das halt ich nicht mehr aus, das macht mich kaputt.“ Du versuchst, mit entsprechenden Blickwinkelwechseln oder NO-MIND die Denkspirale zu stoppen und deinen Kopf zu beruhigen.

Du merkst, wenn dein Kopf gegen die Achtsamkeit und damit gegen das, was ist, arbeitet mit Gedanken wie: „Das kann doch nicht wahr sein. So kann sich doch keiner verhalten. Das darf mir doch keiner antun. Das muss ich mir doch nicht gefallen lassen. Wie gemein kann denn jemand sein. Es macht doch keinen Sinn, dass ich in drei Stunden ausbaden muss, was andere in drei Wochen verschlafen haben.“ Dann übst du, in der Realität zu bleiben: Es ist wie es ist. Und wenn es scheiße ist, dann ist es eben Scheiße. Anstatt Wochen und Monate die negative Situation gedanklich immer wieder durchzukauen und in „hätte“, „könnte“, „sollte“ zu denken, bist du als mental Trainierter wesentlich schneller in der Lage, das Problem anzunehmen und dich dann vor allem auf Lösungs- und Durchhaltemöglichkeiten zu konzentrieren.

Du weißt, dass du in keinem Fall die hilflose „Opferrolle“ einnimmst, sondern zielgerecht mit klarem Kopf an Lösungen arbeitest. Dabei beherzigst du das Gebot: Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die du nicht ändern kannst, Mut, Dinge zu ändern, die du ändern kannst, und Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden. Das kann dauern, aber es kommt. In jedem Fall kommt es schneller als bei Untrainierten. Von daher wirst du dich nicht übermäßig in Krankzeiten verabschieden oder gar  im Nervenzusammenbruch oder Burnout landen. Du weißt um deine Selbstverantwortung für deine Gesundheit.

Außerdem bist du ein guter Selbstbeobachter. Da du weit und breit denken gelernt hast, bist du flexibler und lernfähiger. Wiederholen sich negative Situationen täglich, versuchst du, immer besser damit umzugehen.

Gerade in extrem angespannten Zeiten nimmst du dir im Alltag erst recht die Zeit für kurze Meditationen und Denkrezepte. Um dich immer wieder innerlich auf  Kraft, Ruhe, Innere Stärke, Vertrauen, Konzentration und Lebensfreude einzustimmen. Täglich aufs Neue weckst du den Lebenskünstler in dir. Und wenn das Problem sich irgendwann erledigt hat, ist es abgeschlossen. Es gibt kein in der Vergangenheit kramen.

Also bleibt mir, allen Zweiflern mit auf den Weg zu geben:
Mögen die Impulse der Meditation und des gesunden Denkens dir in allen Stresssituationen zu deinem Besten dienen.