Heute Morgen beim Laufen – mein Mann begleitete mich mit dem Rad – trafen wir auf eine ältere Frau, die auf einem schmalen Trail mit ihren Stöcken vor uns herlief. Dann schien es, als würde sie uns hinter sich hören und Platz machen, aber dem war gar nicht so. Sie war an „ihrem“ Baum angekommen. Und deshalb trat sie zur Seite, um dieses Prachtexemplar zu berühren und mit ihm zu sprechen. Ich blieb stehen und sprach sie an. Sie sagte: „Seit 20 Jahren mache ich hier meine anderthalbstündige Walkingrunde und seitdem halte ich hier an und spreche mit diesem, meinem Baum. Im unteren Bereich, wo ich noch mit den Händen hinkomme, fühlt er sich so weich an, wegen dem Moos. Und selbst wenn die Bäume ja auch selbst viele Probleme wegen dem Klima haben, so ist doch dieser Baum hier mein Kraftort. Hier bleibe ich stehen, spreche mit ihm, teile mit ihm Probleme und Gebete und tanke Kraft.“
Ich war völlig begeistert und verneigte mich vor ihr mit Respekt und sagte: „Was eine wunderbare Gewohnheit.“ Und erinnerte mich selbst wieder daran, dass das Baumumarmen ein althergebrachtes spirituelles Werkzeug ist. Dabei fiel mir selbst auf, dass ich manchmal, weil ich mich mit vielen spirituellen Werkzeugen beschäftige, das ein oder andere aus den Augen verliere. Insofern war ich aufrichtig dankbar für diesen Impuls und rief der älteren Dame noch zu: „Alles Gute für Sie und danke für diese schöne Begegnung“. Und nachdem ich dann auf den nächsten Kilometern das alles sacken gelassen hatte, war es mir zum Ende der Lauftour ebenfalls ein Bedürfnis, einen dieser wunderschönen Bäume zu umarmen und seine Energie zu spüren.
Übrigens: Als dieser Baum (auf dem Foto) noch klein war, also im Jahre 1965, hatten wohl junge Leute Liebesherzen eingraviert, die jetzt in 3 bis 4 Metern hoch oben den Stamm zieren.